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Glyphosat – Zulassung von Gift und Korruption?

Glandorf, 30.04.2014. Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) und andere Chemikalien in der Landwirtschaft müssen bei uns alle paar Jahre erneut zugelassen werden. So auch das weltweit am häufigsten verwendete Herbizidwirkstoff Glyphosat, dessen Weiterzulassung 2014 EU-weit ansteht. Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zugeordnet) hat dafür nach eigenem Bekunden mehr als 1.000 Studien ausgewertet.

Die Analyse dieser Publikationen zeige, so das BfR, daß Glyphosat bei Versuchstieren weder Krebs erzeuge oder die Fortpflanzung schädige noch zu Mißbildungen führe. Deshalb gäbe es keinen Anlaß, die zum Schutz der Menschen festgelegten gesundheitlichen Grenzwerte wesentlich zu verändern. Das Institut gibt immerhin zu, daß etliche Beistoffe bei der Verwendung von Glyphosat in der Landwirtschaft toxischer sein können als der Wirkstoff selbst [1]. Mit derlei Aussagen ebnet die Bundesbehörde den Weg für internationale Großkonzerne wie Monsanto und sichert ihnen wachsenden Absatz – nicht nur von Glyphosatprodukten, sondern auch von eigens im Gentechniklabor entwickelten Glyphosat-resistenten Nutzpflanzen. Anstatt sich mit realistischer Technikfolgenabschätzung* zu befassen, betreiben sie trügerischen Aktionismus und sprechen unter anderem fragwürdige Warnungen vor Heilkräutertees aus (siehe Wir warnen vor dem BfR !).


Lobby statt Expertise
Kein Wunder, denn groteskerweise setzt sich beispielsweise die Expertenkommission für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel des BfR mehrheitlich aus industrienahen Mitgliedern zusammen [2]. Daß eine Zusammenarbeit zwischen nationalen oder internationalen Behörden und Industrie offenbar gang und gäbe ist, zeigt auch das Beispiel der European Food Safety Authority (EFSA), die jahrelang personell eng mit dem International Life Sciences Institute (ILSI) verknüpft war [3]. Während erstere die Regularien zur Gewährleistung unserer Lebensmittelsicherheit erstellt, ist letztere eine Spielwiese für Großkonzerne wie Monsanto, Syngenta oder BASF, die unter dem Deckmantel eines neutral erscheinenden Institutsnamens ihre lobbyistischen Schachzüge ausführen. So macht Risikobewertung Spaß! Und kommt es zu einer Katastrophe wie seinerzeit durch das Beruhigungsmittel Contergan, sitzen BfR-Amtsleitung, verantwortliche Minister und Kanzlerin längst in gut bezahlter politischer Verantwortungs-Freiheit. Gerhard Schröder hat es vorgemacht…
Wir stimmen gegen Glyphosat!
Wir jedenfalls schlucken die abwiegelnden Aussagen des BfR und der vermeintlichen Expertengremien nicht. Wir verlassen uns auf unsere Sinne und unseren Menschenverstand: ein totgespritzter Acker kann weder natürliche und gesunde Lebensmittel hervorbringen noch die Artenvielfalt in unserem Ökosystem erhalten! Dementsprechend stimmen wir gegen jeglichen Pestizid-Einsatz und fordern hier konkret das Verbot von Glyphosat. Damit unterstützen wir den BUND-Aufruf "Glyphosat verbieten - Mensch und Natur schützen

* Definition Technikfolgenabschätzung
"[...] neben der Früherkennung technologieinduzierter Risiken eine umfassende Analyse des Spektrums möglicher sozialer, wirtschaftlicher, rechtlicher, politischer, kultureller und ökologischer Auswirkungen zu leisten, in der problemorientierten Aufbereitung der Untersuchungsergebnisse alternative Handlungsoptionen entscheidungsorientiert aufzuzeigen und zugleich unterschiedliche gesellschaftliche Interessen und Werturteile, die sich an die Entwicklung und Nutzung neuer Technologien knüpfen, offenzulegen." (Schuchardt W, Wolf R: Technikfolgenabschätzung und Technikbewertung: Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Technikkontrolle und Technikregulierung. In: Ropohl G, Schuchardt W, Wolf R (Hrsg.): Schlüsseltexte zur Technikbewertung. Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS), Dortmund, 1990.)

[1] NN: Das BfR hat einen Entwurf_zur_Neubewertung des_gesundheitlichen_Risikos_von_Glyphosat_erstellt.. Instituts-Mitteilung, Berlin, 2013
[2] Then C., Bauer-Panskus A.: Schlecht beraten: Gentechnik-Lobbyisten dominieren Expertengremium. Testbiotech e. V. Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie. Mai 2012.
[3] The International Life Sciences Institute (ILSI), a corporate lobby group. Corporate Europe Observatory. May 2012.

Glyphosat ist der Wirkstoff einiger weltweit gängiger Unkrautvernichtungsmittel, sogenannter Herbizide. Über die Dimensionen ihrer Anwendung und die damit verbundenen Umwelt- und Gesundheitsschädigungen informiert mittlerweile jedes Schulbuch, obgleich deutsche Bundesinstitutionen sie immer noch kleinzureden versuchen. Insofern fatal, als daß Deutschland in der EU als Berichterstatter in Sachen Glyphosat fungiert und damit maßgeblich die Fahrtrichtung beeinflussen kann!

Die Wirkung von Glyphosat beruht auf der Blockade des in Pflanzen vorkommenden Enzyms 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase (EPSPS), das zur Synthese der aromatischen Aminosäuren Phenylalanin, Tryptophan und Tyrosin über den sogenannten Shikimatweg benötigt wird. Die Bildung dieser drei Aminosäuren ist für die Pflanze lebensnotwendig.

In Deutschland werden rund 40% aller Ackerflächen mit Glyphosat-basierten Produkten behandelt. Vor der Aussaat befreien sie die Flächen von unerwünschter Vegetation ("Vorauflauf-Anwendung"), später dienen sie dazu die Getreidepflanzen zur schnelleren Reifung vor der Ernte abzutöten ("Vorernte-Behandlung"). Profanere Anwendungsbereiche sind Autobahnrandstreifen, Bahntrassen und Wege sowie private Gärten und Blumenbeete – Glyphosatprodukte finden sich in jedem Baumarkt und Gartencenter.

Mit den Pflanzen verschwinden auch die Tiere und es kommt zur Artenverarmung von Flora und Fauna gleichermaßen. Direkt toxische Wirkungen von Glyphosatprodukten konnten bei einer Reihe von Tierspezies, vor allem bei Wasserlebewesen, beobachtet werden. Und Untersuchungen zeigen, daß sie auch in Säugetieren hormonartig wirken und so die Fortpflanzung und Fruchtbarkeit beeinträchtigen können [1].

Schließlich beeinflussen diese Herbizidprodukte auch eine Vielzahl von Bodenorganismen wie Pilze und Bakterien, die in Symbiose mit Pflanzen zusammenleben (hierzu gehören auch einige stickstoffproduzierende Knöllchenbakterien). Das wiederum kann zu vermehrter Krankheitsanfälligkeit bei Kulturpflanzen führen und zu weniger nährstoffreichen Böden.

Bislang unberechenbare Folgen ergeben sich aus dem zunehmenden Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen, die so verändert wurden, daß sie gegen Herbizide wie Glyphosat resistent sind. Der größte Hersteller in diesem Bereich ist der US-Konzern Monsanto, der passend zu seinem Glyphosat-Produkt „Roundup“ gleich eine ganze Palette resistenter Pflanzen mit dem Namenszusatz "Roundup Ready" (RR) entwickelte, unter anderem Soja, Mais, Baumwolle oder Raps. Schon 2009 wuchs RR-Soja in den USA auf über 90% der gesamten Soja-Anbaufläche. Potentielle Gefahren bestehen darin, daß die manipulierten Gene von Kulturpflanzen auch auf andere Lebewesen übergehen (horizontaler Gentransfer über Artgrenzen hinweg) und dort Lebensvorgänge verändern können [2].

[1] Richard S., et al.: Differential effects of glyphosate and roundup on human placental cells and aromatase. Environ Health Perspect. 2005

[2] Tudisco R, Mastellone V, Cutrignelli MI, Lombardi P, Bovera F, Mirabella N, Piccolo G, Calabrò S, Avallone L, Infascelli F: Fate of transgenic DNA and evaluation of metabolic effects in goats fed genetically modified soybean and in their offsprings. Animal. 2010 Oct;4(10):1662-71.

 
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