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Ein Projekt für die verdrängten traditionellen Arten Schätzungen zufolge ist die Vielfalt der global genutzten Kulturpflanzen innerhalb der vergangenen 100 Jahre um 75 % zurückgegangen. Die Welternährung basiert heute zu einem Großteil nur noch auf 10 Kulturpflanzenarten. Ähnlich verhält es sich auch bei den Tieren: Weltweit sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts 1000 der anerkannten 6400 Nutztier-Rassen ausgestorben. In Deutschland existieren heute nur noch fünf von mindestens 35 einheimischen Rinderrassen. Diese schockierenden Daten sind dem Positionspapier zum Verbundprojekt „Agrobiodiversität entwicklen“ zu entnehmen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird. Auch um die Wildpflanzen ist es schlecht bestellt:31,5 % der sogenannten Gefäßpflanzen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen gruppen, so Prof. Dr. Richard Pott. Unser Organismus braucht aber für eine nachhaltige Gesundheit die frühere Vielfalt an Pflanzen- und Fleischsorten. Schließlich hat er sich im Verlauf der Jahrtausende an eine solche abwechslungsreiche Ernährung gewöhnt. Doch wer kennt heute z.B. noch alte Apfelsorten, wie „Rote Sternrenette“, „Danziger Kantapfel“ oder „Jessenapfel“? Der Anbau der von der Industrie diktierten Monokulturen hinterlässt schon viel zu viele Opfer: Die Artenvielfalt, eine intakte Umwelt und nicht zuletzt unsere Gesundheit und die der nachfolgenden Generationen.
Mit Fakten Politik machen! Wir dürfen nicht zusehen, daß die Politik die Vernichtung von Arten und die Zerstörung der Umwelt mit großzügigen Subventionen in die konventionelle Landwirtschaft unterstützt. Die Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln kann nur über kleine Bio-Betriebe erfolgen - mit Erzeugnissen aus der Massenproduktion werden wir schleichend vergiftet! Doch Politiker brauchen Fakten und Studien, auf die sie sich berufen und mit denen sie stichhaltig argumentieren können. Diese möchte die Dr. Pandalis Stiftung im Laufe der nächsten Jahre vorlegen.
Beeinflussung von Pflanzengesellschaften durch Gülle-Ausbringungen und Ammoniak-Depositionen in Sandlandschaften
Die Dr. Pandalis Stiftung hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geobotanik (Prof. Dr. R. Pott, Leibniz-Universität Hannover) ein mehrjähriges Projekt zum Einfluß von Gülle auf die Pflanzenvielfalt und die Grundwasserqualität in Angriff genommen. Im Focus stehen dabei das Naturschutzgebiet „Heiliges Meer“ (Kreis Steinfurt/Westfalen) und die Dünenareale bei Kootwijk im Nationalpark Hooge Veluwe in den Niederlanden. Beide Gebiete liegen im Zentrum des so genannten „Gülle-Belts“ (einer Fläche besonders intensiver Viehhaltung und Güllewirtschaft) und zeichnen sich durch einen steten Rückgang der Pflanzenvielfalt und ein Vordringen nitratliebender Arten aus. Das Projekt mit dem Arbeitstitel Beeinflussung von Pflanzengesellschaften durch Gülle-Ausbringungen und Ammoniak-Depositionen in Sandlandschaften kam auf Initiative von Prof. Dr. Richard Pott zustande, der bei seinen Reisen durch ganz Europa darauf aufmerksam wurde, daß besonders in Deutschland und den Niederlanden die Gülle buchstäblich bis zum Himmel stinkt.
Im Folgenden sind Ausschnitte aus dem Abschlußbericht „Stickstoffdepostion in die Offen- und Waldlandschaften der Veluwe, Niederlande“ von Prof. Dr. R. Pott (Institut für Geobotanik der Leibniz-Universität Hannover, März 2007) veröffentlichlicht
Zusammenfassung der Abschlussarbeit: Die Arbeit befasst sich mit den Ausmaßen anthropogener Stoffeinträge und der damit verbundenen Eutrophierung nährstoffarmer pleistozäner Sandlandschaften in Nordwesteuropa. Als Untersuchungsgebiet dienten Flächen im Bereich der Naturschutzgebiete Kootwijkerzand, Caitwickerzand und De Hoge Veluwe in der Provinz Gelderland in den zentralen Niederlanden. Ebenso wurden am Beispiel von sekundären Eichen-Birken-Wäldern, Kiefernforsten, Sandtrockenrasen, Heide- und landwirtschaftlichen Nutzflächen Untersuchungen zum Einfluss der Vegetation auf die hydrochemischen Eigenschaften von Niederschlags- und Sickerwasser durchgeführt. Die hydrochemischen Eigenschaften und ihre jahreszeitlichen Veränderungen werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zum einen spielen die Auswirkungen ehemaliger und gegenwärtiger Bewirtschaftungsmaßnahmen eine Rolle, zum anderen lassen sich aber auch vegetationsabhängige Differenzierungen vornehmen, die vor allem auf saisonale Unterschiede in der Vegetationsperiode beruhen.
Für alle Untersuchungsgebiete konnten extrem hohe Stoffdepositionen aus der Landwirtschaft nachgewiesen werden. So werden jährlich zwischen 15 und 50 kg Stickstoff pro Hektar über den Niederschlagspfad in die Wald- und Offenlandschaften eingetragen. Als Hauptquelle für den hohen Eintrag von anorganischem Stickstoff ist die Viehhaltung anzusehen. Zwar konnte kein direkter Zusammenhang zwischen der Entfernung von landwirtschaftlich genutzten Flächen und dem Ausmaß der Deposition gezeigt werden, trotzdem stellt die großräumige Eutrophierung der oligotrophen Landschaften ein schwerwiegendes Problem dar. Es konnte ebenfalls gezeigt werden, dass der Schwerpunkt der Stoffeinträge aus der Landwirtschaft in den Sommermonaten liegt.

Der Einfluss der Vegetation auf die hydrochemischen Eigenschaften zeigt sich bereits auf der Ebene des Niederschlagswassers. Durch verschiedene Mechanismen wie Interzeptionsverdunstung, „leaching“-Prozesse und der Filterwirkung der Blätter und Nadeln kommt es in den Waldflächen zu einem erheblich höheren Stoffeintrag als in den Offenlandschaften. Durch Vergleiche von benachbarten Probestellen konnte die Anreicherung von Stoffen in das Niederschlagswasser durch das Kronendach der Bäume gezeigt werden. So ergeben sich für die in den Untersuchungsgebieten vorkommenden Waldlandschaften Betulo-Quercetum roboris und Deschampsio-Pinetum jährliche Stickstoffeinträge zwischen 27 und 50 Kilogramm pro Hektar. Neben den Stoffdepositionen aus benachbarten Agrarflächen und Viehbetrieben spielen auch andere Faktoren wie Blütezeiten, Häufigkeit und Stärke von Niederschlagsereignissen sowie der immergrüne Status der Nadelbäume eine wesentliche Rolle für die hydrochemischen Eigenschaften des Niederschlagswassers.

Auch auf der Ebene des Sickerwassers zeigen sich die Auswirkungen der Eutrophierung. Bei allen untersuchten Vegetationstypen konnte trotz des sauren Bodens eine verstärkte Nitrifikation anhand erhöhter Nitratwerte im Sickerwasser nachgewiesen werden. Der hohe Eintrag an organischen Substanzen und Ammonium aus der Massentierhaltung wird dabei als Ursache angesehen. Zudem zeigen sich auch vegetationsabhängige Unterschiede in der Sickerwasserzusammensetzung der untersuchten Pflanzengesellschaften. Ein Teil der im Niederschlagswasser enthaltenen Stoffe wird durch die Vegetation entnommen, gleichzeitig werden dem Sickerwasser andere Ionen hinzugefügt. Ein Großteil des Stickstoff-Eintrages erfolgt in Form von Ammonium, der von den Pflanzen aufgenommen bzw. im Zuge der Nitrifikation in Nitrat umgewandelt wird. So werden besonders unter den Waldbeständen große Mengen an Stickstoff in Form von Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen. Durch die im Boden ablaufenden Prozesse kommt es zu einem Absinken des pH-Wertes und zu veränderten Löslichkeiten für Ionen wie Magnesium, Calcium, Natrium, Kalium und Chlorid. Daher werden auch diese in den Waldbeständen vermehrt mit dem Sickerwasser ausgewaschen. Auch diese Effekte treten in den Beständen stärker auf als in den Offenlandschaften, da hier die Streuauflagen und Bodenschichten nicht so stark ausgeprägt sind. Für die Offenlandschaften sind die Stoffauswaschungen aus den oberen Bodenschichten im Genisto-Callunetum aufgrund der dicken und zudem stark sauren und nährstoffarmen Ericaceen-Streu am höchsten. Alle untersuchten Pflanzengesellschaften weisen saisonale Unterschiede in der Sickerwasserzusammensetzung auf. Diese beruhen vor allem auf einen Wechsel zwischen Vegetationsperiode und Ruhezeit, so dass der Auswaschungsschwerpunkt in der vegetationsfreien Jahreszeit liegt.


Die Eutrophierung weitet sich jedoch auch noch auf anderem Wege gefährlich aus. Dies wird besonders am Beispiel der Streusalzausbringung deutlich. Die über das ganze Jahr hinweg gleichmäßig eingetragenen Mengen an Natrium- und Chlorid-Ionen maritimen Ursprungs werden saisonal in den Wintermonaten mehr als verdoppelt. Hinzu kommen Nähr- und Schadstoffemissionen aus Automobil- und Industrieabgasen sowie aus Abwässern und Feuerungsanlagen. Diese haben eine verstärkte wasser- und luftvermittelte Stoffimmission in die Naturschutzgebiete zur Folge.
Prognose und Fazit: Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Untersuchungen haben gezeigt, dass der luftbürtige Stoffeintrag im gesamten Untersuchungsgebiet sehr hoch ist. Dies gilt insbesondere für die Deposition von Stoffen die der Landwirtschaft entstammen. Aufgrund des NH4-N/NO3-N Verhältnisses konnte die intensive Viehhaltung als Hauptquelle für den atmosphärischen Stickstoffeintrag ausgemacht werden. Die Vegetation der Untersuchungsgebiete erfährt auf diesem Wege sowohl im Bereich von Waldbeständen als auch in den Offenlandschaften eine extrem hohe Eutrophierung. Die hohen Stickstoff-Depositionsraten von bis zu 50 kg/ha*a stellen sicherlich ein großes Gefährdungspotenzial für die Pflanzengesellschaften dar. Wie bereits erwähnt wurde, werden die „critical loads“ zur Erhaltung der Zwergstrauchheiden und der bodensauren Laubwälder um ein Vielfaches überschritten. Zwar werden große Teile des eingetragenen Stickstoffes gar nicht von den Pflanzen aufgenommen sondern über das Sickerwasser ins Grundwasser ausgewaschen, dennoch bietet das hohe Nährstoffangebot gute Bedingungen für das Einwandern von Nitrophyten in die Pflanzengesellschaften. Ein Beispiel hierfür ist das verstärkte Eindringen des Neophyten Campylopus introflexus, das sowohl von KETNER-OOSTRA & SYKORA, 2006 als auch von BIERMANN & DANIÉLS, 2001 in den zentralen Niederlanden untersucht wurde und auf die hohen luftbürtigen Stickstoffeinträge zurückzuführen ist (KETNER-OOSTRA & SYKORA, 2006). Gleichzeitig konnten RIKSEN et al. (2006) dokumentierten, dass die Besiedlung von offenen Binnendünen bedingt durch eine erhöhte Biomassenproduktion infolge des erhöhten Stickstoffeintrages aus der Atmosphäre beschleunigt wird. Dabei spielt vor allem die vermehrte Ausbreitung von Algen seit den 1960er Jahren auf die Sandflächen eine wesentliche Rolle. Die Sandverwehungen kommen dadurch zum Stillstand. Den gegenüber Sandüberwehungen toleranten Calluna-Heiden wird so ihr Konkurrenzvorteil genommen und den Arten wie Pinus sylvestris wird die Möglichkeit zur Etablierung gegeben. Dadurch kommt es zu einer Ausbreitung der Wälder auf die angrenzenden Heide- und Sandtrockenrasen-Gesellschaften und diese Flächen müssen bereits heute gepflegt werden, um eine Verdrängung der ursprünglichen Vegetationen dieser Kulturlandschaft zu verhindern. Hier sind die negativen Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft und die damit verbundene Eutrophierung angrenzender Gebiete bereits deutlich sichtbar. Ob es auch im Bereich der untersuchten Waldgesellschaften durch das Einwandern von Nitrophyten bereits zu einer Veränderung des Artengefüges kommt, konnte innerhalb des relativ kurzen Untersuchungszeitraumes von 16 Monaten nicht nachgewiesen werden. Um hierüber verlässliche Aussagen treffen zu können wären langjährige Untersuchungen dieser Pflanzengesellschaften nötig.
Ein weiteres bereits erwähntes Problem, das durch den hohen Nährstoffeintrag auftritt, ist, dass die Pflanzen sowohl im Bestand als auch auf den Freiflächen nicht in der Lage sind, dass Überangebot an Nährstoffen vollständig zu nutzen. Auch die Böden können diese Stoffe nicht über längere Zeit festhalten oder dauerhaft binden, so dass ein Großteil der eingetragenen Stoffe ins Grundwasser ausgewaschen wird. Auf diese Weise gelangen die Stoffe auch in den von Menschen genutzten Trinkwasserkreislauf, was wiederum eine verstärkte Aufbereitung bedeutet.
In den Untersuchungsgebieten stehen bestimmte Bereiche der selten gewordenen Kulturlandschaften bereits unter Naturschutz, im Grunde sind diese Maßnahmen aber nicht ausreichend. Es erscheint sehr unverständlich, dass viel Mühe und Geld in die Verhinderung einer Rückbewaldung investiert werden, die eigentliche Ursache für die Ausbreitung der Wälder nämlich die anthropogen verursachten Stickstoffeinträge aus der Umgebung jedoch nicht ausreichend erkannt und verringert werden. Letztlich müsste man Wege finden, um eine weitere Eutrophierung der bedrohten Flächen zu verhindern oder zu verringern. Dies lässt sich wahrscheinlich praktisch nur schwer realisieren. Die Umstrukturierung von einer intensiven in eine extensive Landwirtschaft wäre eine Möglichkeit, die aber von vielen Landwirten als wirtschaftlich nicht tragbar angesehen wird. Wie bereits belegt wurde, stammt der größte Teil des eingetragenen anorganischen Stickstoffs aus der Tierhaltung. Eine Alternative zur Verringerung des Viehbestandes stellt wohl nur die Vergrößerung der Weideflächen dar. Die Umsetzbarkeit dieser Vorschläge soll an dieser Stelle jedoch nicht diskutiert werden. Fest steht nur, dass der Eutrophierung zum Erhalt dieser oligotrophen Kulturlandschaft entgegengewirkt werden muss. Denn diese Landschaft ist nicht nur aufgrund ihrer floristischen und faunistischen Schönheit schützenswert, sie spiegelt insbesondere auch unsere kulturelle Vergangenheit wider.
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